Laufen

Neues Jahr, neue Vorsätze. Ich will euch mehr an mir selbst teilhaben lassen. Euch persönliche Dinge aus meinem Leben erzählen und euch zeigen was ich außer Fotos sonst noch so mach. Einfach den Blog hier wieder aufleben lassen.

Im ersten Post des neuen Jahres geht es ums laufen. Das ist neben der Fotografie meine zweite große Leidenschaft die mittlerweile einen immer größeren Stellenwert in meinem täglichen Leben hat. Begonnen hat das vor 4-5 Jahren wo ich für die Firma in der ich damals Auszubildender war bei dem ein oder anderen Volkslauf in der Firmenstaffel mitgewieselt bin. Als junger sportbegeisterter Azubi sagt man da natürlich nicht nein. Einen Plan von dem ganzen hatte ich damals aber noch nicht wirklich. Jedes mal wieder bin ich einfach drauf los und hab mich in den ersten 2-3 Kilometern schon so abgeschossen dass die restlichen 6 Kilometer von Höllenqualen geprägt waren und ich mich gefragt hab, wieso mach ich den Scheiss hier überhaupt?

Doch mit der Zeit wuchs mein Interesse an dem ganzen Thema und die Motivation stieg ziemlich fix. Ich begann 2 mal die Woche mit Kumpels ein bisschen zu joggen, aber immer ohne Ziel und ohne Plan. Ab und an hab ich dann mal kleinere Volksläufe mitgemacht und merkte wie meine Zeiten immer besser wurden, das motiviert! Auch mein Verständnis und Gefühl für Tempo, Distanz und das ganze Thema wuchs und ich hörte das erste mal was von „geh das Ding nicht zu schnell an, sonst zerreisst es dich“. Weise Worte... später mehr dazu.

Im November 2015 entschied ich mich dann dazu im Mai 2016 meinen ersten Halbmarathon zu laufen und mich gezielt drauf vorzubereiten. Die Zeit verging und ich hab relativ ordentlich trainiert und hab gelernt was es heisst nach einem strikten Plan zu laufen. Ich war ganz guter Dinge und kam gut „über den Winter“ und hab dem Tag X entgegengefiebert. 3 Wochen vor dem Lauf kam dann alles anders. Leistenbruch, Operation, 6 Wochen kein Sport. Scheisse.

Das Jahr lief so vor sich hin und ich bin mal mehr und mal weniger gelaufen. Allerdings hab ich mich immer mehr mit der Läuferszene und den großen Marathons befasst. Im September 16 überkam mich dann die Bilderflut vom BMW BERLIN MARATHON auf Instagram und ich wusste dass ich auch mal im Tiergarten über den blauen Teppich laufen möchte. Das fand ich richtig geil! Drei Wochen später öffnete die Registrierung zur Auslosung der Startplätze für das darauffolgende Jahr. Ohne groß drüber nachzudenken hab ich mich um einen Startplatz beworben und drei Wochen später kam die E-Mail mit „Herzlichen Glückwunsch – du bist ein Gewinner, wir freuen uns dich beim BMW BERLIN MARATHON begrüßen zu dürfen“. Da dacht ich mir hammer, mega, wahnsinn, yeah! In dem Moment war mein Körper allerdings noch ganz ganz ganz weit weg davon 42,195 Kilometer laufen zu können und somit war das ein riesen Arschtritt, jetzt doch mal richtig loszulegen.

Gesagt getan, viel gelaufen, kaum Alkohol, möglichst Gesund gegessen und ein bisschen drauf geachtet was ich so zu mir nehm. Im Januar hab ich dann gleich noch den Spindellauf in Regensburg mitgenommen. Ein cooles Event mit einem Halbmarathon durch ein Einkaufszentrum mit 600 Höhenmetern. Den verpassten Halbmarathonstart im Mai hab ich dann auch nochmal neu in Angriff genommen und danach war Berlin das große Ziel. Somit stand der Fahrplan für 2017.

Auf den Halbmarathon im Mai hab ich ganz passabel trainiert, aber für mein Ziel unter 1:30 zu laufen deutlich zu wenig. Darüber möchte ich ein bisschen ausführlicher berichten.

Ich bin bei 25 Grad um 09:00 Uhr Morgens beim Start im Regensburger Westen los wie die Feuerwehr und die ersten Kilometer natürlich viel zu schnell angelaufen. Wurscht dachte ich mir, das geht sich schon irgendwie aus. Bei Kilometer 4 Stand Natalie und jubelte mir zu, alles war gut. Das ist mein Tag heut dacht ich mir. Das Ziel unter 1:30 zu laufen verfolg ich doch schon ein bisschen länger und bedeutete mir somit ziemlich viel. Durch die Regensburger Altstadt liefs echt rund und Kilometer 5 & 6 waren schnell rum und ich war gut im Zeitplan. Doch was dann kam wünsch ich niemanden auf dieser Welt. Bei der Kilometermarke 8 zog es mir dermaßen den Stecker dass der Ofen nahezu aus war und ich deutlich an Tempo rausnehmen musste um den Glauben ins Ziel zu kommen noch irgendwie behalten zu können. Schließlich waren es ja noch 13 Kilometer. Das Zitat „geh das Ding nicht zu schnell an, sonst zerreisst es dich“ wurde leider genau an diesem Punkt wahr.

Ich quälte mich immer weiter durch und jetzt kam es immer mehr auf den Kopf und die mentale Stärke an. Körperlich war ich am Ende, jetzt musste mein Hirn mich ins Ziel bringen. Bei Kilometer 10 gabelten mich meine Trainingspartner und Freunde Stefan & Tobi von hinten auf und zwangen mich wie im Vorfeld vereinbart mit aller Gewalt dazu ihr Tempo mitzugehen. Hat auch irgendwie funktioniert. Ich wollte Gehpausen einlegen doch Stefan zog mich an der Hand wieder mit und Tobi schob mich von hinten an und irgendwie haben wir meinen Bewegungsapperat wieder zum laufen gebracht. Den beiden sei Dank. Gemeinsam machten wir uns auf in die Hitzeschlacht der zweiten Hälfte. Im Kopf war ich so drauf fixiert dass bei Kilometer 18 Natalie stand und dahin musste ich es schaffen und dann sind es nurnoch 3 Kilometer. 3 Kilometer, das sind 14 Minuten, 14 Minuten das ist nichtmal eine Viertelstunde, das schaff ich dann schon. Das waren meine Anhaltspunkt und um nichts anderes ging es im Kopf. Nicht was jetzt grad passiert und wie es mir jetzt grad geht sondern dieses Ziel bis zu Natalie das Tempo zu halten und dann ist es ja nichtmehr weit... Körperlich war ich weit über meiner Grenze, doch mein Kopf wollte trotzdem immer weiter, und irgendwie hat das funktioniert. Bei Kilometer 18 angekommen hab ich noch ein bisschen Wasser und ein lautes „wir sehen uns im Ziel“ von Natalie mitbekommen. Noch 14 Minuten irgendwie durchquälen. Noch immer war Stefan an meiner Seite und wir haben uns Gegenseitig geholfen und gezogen. 1,5 KM vor dem Ziel musste ich jedoch auch ihn noch ziehen lassen und hab es dann irgendwie alleine noch durchbekommen. Natalie hat mich nochmal überrascht und hat mich den letzten Kilometer mit dem Rad begleitet, doch trotz ihrer lautstarken Motivation musste ich immer wieder kurze Gehpausen einlegen, es ging einfach nichts mehr. Rein garnichts mehr. Irgendwie hab ich es auf die Zielgerade geschafft wo ich von Armin Wolf sehr herzlich namentlich anmoderiert wurde. Hinter der Ziellinie bin ich erstmal zusammengeklappt und hab ein einige Minuten gebraucht bis ich wieder ganz klar war. Letztendlich stand eine 01:40:09 auf der Uhr. Zeitlich völlig uninteressant aber doch ich hab gelernt zu was der Kopf in der Lage ist wenn man etwas wirklich will.

Letztendlich bleibt mir nur zu sagen, egal wie schwer es ist und wie hart es manchmal wird, wenn man einen starken Willen hat und ein Ziel im Kopf hat ist viel mehr möglich als man Anfangs denkt. In diesem Sinne

„ immer weiter immer weiter“– Oliver Kahn.

Unmittelbar nach dem Halbmarathon begann die gezielte Vorbereitung auf den Berlin Marathon. Dazu ein ander mal mehr!